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Rio abajo (Flussabwärts)
Der Mann trat auf etwas Weiches, und sofort spürte er den Biss in seinen Fuß.
Er sprang nach vorn, und als er sich, fast gleichzeitig, mit einem Fluch auf den Lippen, umdrehte, erblickte er die yararacusú, die sich eingerollt und schon auf den nächsten Angriff vorbereitet
hatte.
Der Mann warf einen raschen Blick auf seinen Fuß, auf dem zwei winzige Blutstropfen sich nur sehr langsam vergrößerten, und löste seine Machete vom Gürtel.
Die Schlange erkannte die Bedrohung, senkte den Kopf tiefer ins Zentrum ihrer Angriffsspirale, aber die Machete traf schon ihren Körper und zerhackte ihr das Rückgrat.
Der Mann beugte sich zu der Bissstelle hinab, wischte die beiden Blutströpfchen weg, und einen Augenblick lang dachte er nach.
Ein scharfer Schmerz ging von den beiden violetten Pünktchen aus, begann seinen ganzen Fuß zu durchdringen.
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- Angewandte Nächstenliebe
(09.08.2011) Seit Jahren unterstützt das Kolpingwerk Hilfsprojekte in Paraguay, auch dank Fördermitteln der Bundesregierung. Aber die Gelder scheinen nicht immer anzukommen.
Das Haus, das hier alle "Casa de Citas" nannten, liegt am Stadtrand von Coronel Oviedo, ein zweistöckiger Bau, ungefähr 300 Quadratmeter groß, die Fassade einst rosarot. Offiziell war es ein Berufsbildungszentrum der paraguayischen Kolping-Stiftung.
Inoffiziell wurden hier von 2005 bis Anfang 2008 mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wohl weniger Schulungen als speziell geschultes Personal gefördert: "Casa de Citas", ein "Haus der Verabredungen", so nennt man in Paraguay ein Bordell. Im Erdgeschoss sollen Bier und Schnaps ausgeschenkt worden sein, die Betten standen im ersten Stock. Eine ganze Fußballmannschaft soll sich hier unter anderem vergnügt haben, berichtet die heutige Geschäftsführerin der paraguayischen Kolping-Stiftung, "eine wahre Orgie" sei das gewesen.
"Gelegentlich kamen auch Pärchen in die Casa de Citas", erinnert sich Adelina Ayala, die Putzfrau, die morgens leere Flaschen entsorgte, das Haus saubermachte und Laken wusch.
2010_08_07_CO-SP-2010-032-0080-0081.PDF.
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- ASUNCION - Mit einer Länge von 203,8 Metern hat es ein in Paraguay hergestellter Riesen-Hot-Dog ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.
(15.09.2011) Johanna Hessling vom Guinness-Buch bestätigte am Samstag den Rekord, nachdem die bisherige Bestmarke von 150 Metern von einer in Spanien gefertigten Wurst gehalten worden war.
245 fleißige Helfer waren auf der Industrie- und Landwirtschaftsmesse "Expo 2011" in der Hauptstadt Asunción damit beschäftigt, den Hot Dog zu fertigen, wie ein Messesprecher sagte. Die 270
Kilogramm schwere Wurst wurde in einer spezial angefertigten Vorrichtung gebraten und später in 2.000 Stücke zerschnitten.
- Konsul besuchte Kärntner im Knast
(07.09.2011) Der unter Mordverdacht stehende flüchtige Kärntner Sandro H. befindet sich in Paraguay jetzt offiziell in Auslieferungshaft.
Seit Ende Juni sitzt der flüchtige Kärntner Häftling Sandro H. - er steht im Verdacht die Klagenfurterin Michaela Grabner getötet zu haben - im paraguayischen Staatsgefängnis Tacumbu. Er befindet sich jetzt offiziell in Auslieferungshaft. Am Freitag erhielt er Besuch von Vizegeneralkonsul Gerhard Ackert von der österreichischen Botschaft in Argentinien.
Besucherinnen vergewaltigt
Tacumbu gilt als schlimmster Knast Lateinamerikas. Das Gefängnis ist hoffnungslos überfüllt, es gibt viel zu wenig Wärter. Vor Kurzem konnten deshalb auch drei junge Besucherinnen in Zellen vergewaltigt werden.
Die hygienischen Zustände sind katastrophal. Für "Annehmlichkeiten" muss bezahlt werden, sogar für eine Matratze zum Schlafen. Der Kärntner Ex-Bordellchef, der sich bei seiner letzten Inhaftierung vor einem Jahr noch viele Extras leisten konnte, scheint jetzt aber keine Geldreserven mehr zu haben. Die Wochen in Tacumbu dürften deshalb Wirkung zeigen. Gerüchten vor Ort zufolge soll sich Sandro H. nämlich mittlerweile nicht mehr gegen eine Überstellung nach Österreich sträuben. Peter Launsky-Tieffenthal, Sprecher des Außenministeriums, sagt dazu: "Offiziell können die Behörden derzeit noch nicht sagen, ob er einer Auslieferung zustimmen wird." Im Gespräch mit dem Vizegeneralkonsul ging es um Haftbedingungen, seine Gesundheit und ob er eine Rechtsvertretung hat.
- Deutsche Genealogie: Paraguay
Sobrevuelas el verdor desmesurado de mi selva.
No te posas en ninguno de mis árboles ansiosos por darte cobijo y alimento. Aseguras no tener frío. Aseguras no tener hambre.
Mientes.
Du überfliegst das endlose Grün meines Waldes.
Du lässt dich auf keinen meiner sehnsüchtigen Bäume nieder. Du beteuerst dass du nicht frierst. Du beteuerst dass du nicht hungerst.
Du lügst.
Chipá guazú - Maisauflauf, Maistarte
Zutaten und Zubereitung
500 g Zwiebeln
1 kg Mais aus der Dose
6 Eier
500 g geriebener Käse
250 g Magerquark
250 g Margarine
1 Tasse Maisgrieß
Salz
wenig Pfeffer
Zwiebeln zerkleinern und in der ausgelassenen Margarine leicht andünsten. Maisgrieß dazugeben und Masse auskühlen lassen. Mais (Wasser abgießen) im Mixer grob zerkleinern, Eier und geriebenen Käse unterrühren. Alle Zutaten zusammen mit Quark, Salz und Pfeffer mit dem Handrührer mischen und in eine gefettete Auflaufform geben. Backofen gut vorheizen, auf 200° C. Den Auflauf backen, bis die Oberfläche sich goldbraun färbt (30 bis 40 Minuten). Der Auflauf sollte 10 bis 15 Minuten abkühlen, damit er sich in quadratische Stücke - so wird Chipa in Paraguay serviert - schneiden lässt.
- DIE DEUTSCHE EINWANDERUNG IN PARAGUAY SEIT 1870 UND DEREN ROLLE BEI DER WIRTSCHAFTLICHE ERSCHLIESSUNG
Jan M.G. Kleinpenning
- In Paraguay verläuft die Aufarbeitung der Diktatur schleppend, in den Nachbarländern wie Argentinien oder Chile müssen sich dagegen Ex-Militärs vor Gericht verantworten.
(16.08.2011) Noch immer ist das Land gespalten, wenn es um die ehemalige Diktatur geht. Ehemalige Eliten verteidigen sie, die so genannten Landlosen leiden immer noch unter den wirtschaftlichen Folgen der Stroessner-Diktatur. Paraguay gilt als ärmstes und rückständigstes Land Südamerikas, als Hochburg des Schmuggels, des Drogenhandels und der Korruption. Dieses Erbe verdankt es vor allem einem Mann: dem "Rubio", dem "Blonden", wie der Diktator Alfredo Stroessner genannt wurde - wegen seiner bayrischen Wurzeln.
- Die letzte Reise führt über Grenzen
(09.08.2011) Bestattungsunternehmen aus Lichtenau bietet günstige Beerdigungen in Tschechien an - Nachfrage steigt - Chemnitz.
Erst am Sterbebett ihres pflegebedürftigen Mannes hat Gerda Opitz die ersehnte Zustimmung für ihr Vorhaben erhalten. Dafür, ihren Mann nach seinem Tod in Tschechien einäschern und die Urne dort anonym beisetzen zu lassen. Ihre Tochter war lange Zeit dagegen. Obwohl das Geld der Familie für ein Grab in der Heimatstadt Leipzig nicht reichte. Schulden drohten. Der Glaube gab der Tochter bei der Entscheidung Halt: Es ist nur die Hülle, die auf Reisen geht....
- Neues für Autofahrer, bzw Mietwagennutzer in Paraguay
(02.08.2011) In Paraguay wird neuerdings in jedem Auto neben Feuerlöscher und 2 Warndreiecken auch ein "Erste Hilfe Set" und ein "Leichentuch" - kann ein einfaches Bettlaken sein - gesetzlich gefordert.
- Pressestatements von Bundeskanzlerin Merkel und dem Präsidenten der Republik Paraguay, Fernando Armindo Lugo Méndez
(20.05.2011) MERKEL in Berlin: Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass der Staatspräsident von Paraguay, Herr Fernando Lugo, heute bei uns zu Gast ist. Wir sind uns das erste Mal in Lima im Jahre 2008 bei dem EU-Lateinamerika-Gipfel begegnet. Wir verfolgen die Entwicklung in Paraguay aus der deutschen Perspektive natürlich sehr genau.....
- Der Bauer aus Paraguay
Franco Warkentien wollte das Leben in Deutschland ausprobieren - Aus zwei sind neun Jahre geworden.
(12.05.2011) - Kirchdorf - Franco Warkentien hat sich vor allem eine unendliche Gelassenheit aus seiner südamerikanischen Heimat nach Deutschland mitgebracht. Mit stoisch anmutender Ruhe lenkt der 40-Jährige aus Paraguay seit Wochen seinen Traktor immer und immer wieder im Schritttempo über riesige Felder in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Hinter ihm auf einer Bank sitzen Helfer und stecken junge Erdbeerpflanzen in die Erde unter sich. "Das kann man nicht schnell machen, das braucht eben seine Zeit", sagt Warkentien, der ungezählte Erdbeerfelder angelegt hat.
Dass er dies mit der immer gleichen Ruhe tut, erklärt sich der 40-Jährige selbst mit seinem früheren Leben in den unbesiedelten Weiten des Gran Chaco im Norden Paraguays. "Dort war ich mit dem Lkw oft tagelang unterwegs und hab niemanden getroffen. Im Vergleich dazu ist das hier doch alles noch sehr übersichtlich", sagt er und ein Lächeln huscht über das sonst ernste Gesicht.
Im vergleichsweise kleinen Sachsen wollte Warkentien eigentlich nur zwei Jahre bleiben. Einfach ausprobieren, wie es sich hier lebt und ob er seine Familie ernähren kann. "Aus dem Versuch sind bisher gut neun Jahre geworden", sagt Warkentien, der seit 2002 mit seiner russischstämmigen Frau Hedwig, Sohn Mirco und Töchterchen Joanne im sächsischen Dorf Kirchberg lebt.
Warkentien hat 2002 mit seiner Familie einen ungewöhnlichen Schritt gewagt. Zu einer Zeit, in der die europäische Wirtschaft auf eine große Wirtschaftskrise zusteuerte und viele Deutsche dem Auswanderungsfieber verfielen, haben sich die Warkentiens für die umgekehrte Richtung entschieden. "Die Wirtschaft in Südamerika lag damals auch am Boden und wir standen kurz davor, alles zu verlieren", sagt Warkentien, der sein Geld als Spediteur verdiente.
Als der Entschluss zum Auswandern feststand, gab er sich in seiner Heimat mit vielen Deutschen die Klinke in die Hand. "Manche kamen mit einem paar Euro und unglaublichen Vorstellung dort drüben an. Da wurde mir schwindelig", sagt er. Warkentien selbst hat seine Auswanderung indes bis ins Detail geplant und es so binnen kürzester Zeit geschafft, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen.
Er heuerte nach langen Recherchen bei jener Firma an, für die er bis heute arbeitet. Und für Firmenchef Harald Funk, selbst vor fast 20 Jahren aus Bayern nach Sachsen gekommen, ist Warkentien mittlerweile fast unersetzbar. "Er hat ein Ziel vor Augen und zieht alles konsequent durch. So etwas findet man heutzutage nur noch selten", lobt Funk die Willenskraft des 40-Jährigen.
Der wiederum nimmt die Worte mit einem schüchternen Lächeln hin und verweist auf seine deutschen Wurzeln. So stammt er aus einer ostpreußischen Familie, die nach Kriegsende 1945 in Südamerika ihr Glück gesucht hatte. Seinen deutschen Pass hat Franco ebenso wie die deutsche Sprache nie aufgegeben.
Und so schnell wird es ihn nun auch nicht wieder aus Deutschland wegziehen. "Vielleicht wenn ich Rentner bin. Jetzt bin ich aber hier zu Hause und das kann auch erstmal so bleiben", sagt er. Nur die beiden Kinder vermissten manchmal die urwüchsigen Weiten Paraguays, erzählt der Erdbeerbauer und fügt hinzu: "Deutschland finden sie toll und dass es ihnen hier besser geht, wissen sie. Sie sehnen sich aber oft nach dem unendlichen Platz zum Spielen".
- Certificado de Retorno
(29.04.2011) Seit April 2011 brauchen Ausländer mit paraguayischen Papieren (Cedula) zur Aus- und Einreise in Paraguay kein Certificado de Retorno mehr.
- 3. Auflage von "Paraguay entdecken" !
(19.04.2011) Die 3. Auflage des Reiseführers "Paraguay entdecken" ist erscheinen.
- Buchtip - Literarische Erlebnisgeschichte: Unsere Auswanderung zwischen Traum und Alptraum im Spiegel unserer Biographie, Teil 1 Was bleibt am Ende nach allem?
(13.04.2011) - Gelnhausen - Unsere Auswanderung zwischen Traum und Alptraum - im Spiegel unserer Biografie Teil 1 - Was bleibt am Ende nach allem?
von Gräfin Elena Eligir und Freddy Menzel Mit ihrem gemeinsamen Erstlingswerk "Unsere Auswanderung zwischen Traum und Alptraum" haben die Autoren eine ganz besondere Intention erreicht. Beide
haben eine wichtige Entscheidung getroffen, zu einem Zeitpunkt, der eine Wende forderte, die es aber auch zu tragen galt. Das Motiv ihrer Auswanderung erklärt sich durch die Familienkrankheit
Altersdemenz und dem Wunsch, eine geeignete Existenz aufzubauen und zu sichern. Die Wahl fällt auf Südamerika, Paraguay. Viele Hürden bauen sich auf und müssen genommen werden. Das neue Leben
entwickelt sich teilweise zum Albtraum.
Der Leser erfährt in dieser literarischen Erlebnisgeschichte weit mehr als nur eine Auswanderung, er erlebt eine Zielsetzung, die alles abforderte und trotzdem reich beschenkte.
BADISCH SCHWÄTZE IN PARAGUAY
In Paraguay heißt das Bier "Bremen", "Sankt Pauli Girl" oder "Munich", und Deutsche sind gern gesehene Gäste. Auf der Ruta Internacional 2 quer durch das Land. Gleich hinter den einfachen Häuschen beginnt die dünn besiedelte Einsamkeit.
Paraguay - Asuncion
Was dem Wagen recht ist, ist dem Gebiss billig. Alle paar Hundert Meter weisen riesige Holztafeln am Rand der Landstraße auf die nächste Reifenflicker-Werkstatt hin. Manchmal ist eine
umgefahren, manchmal hat es sich der Urwald geholt. Zwischendrin wirbt eine Wand in derselben Machart für die Dienste von "Dentista Benito". Rote Schrift auf Spanplatte. Eine Telefonnummer
ist daneben gekrakelt. Der Zahnarzt hat sich als Untermieter einer Autoreparaturwerkstatt an der Ruta Internacional 2 angeschlossen.
Für alle Alltagsbedürfnisse ein Experte
Kann sein, dass mal einer der Fernfahrer solche starken Zahnschmerzen hat, dass er nicht bis zur nächsten Stadt warten kann, und nicht ahnt, dass es im nächsten Ort eine moderne
Zahnarztpraxis gibt. Kann sein, dass der Überland-Expressbus Asunción - Rio hält und jemand mit dicker Backe herausstolpert.
Viel los ist nicht in Benitos archaischer Gebisswerkstatt, aber der Standort ist gut gewählt. Findige Unternehmer sorgen dafür, dass links und rechts der Landstraße von Paraguays Hauptstadt
Asunción nach Ciudad del Este an der Grenze zu Brasilien für alle Alltagsbedürfnisse ein Experte greifbar ist. Fehlt eigentlich nur noch ein Kneifzangen-Piktogramm mit der Textzeile "92
Kilometer bis zum nächsten Zahnarzt".
Warten an der "Klappstuhlkreuzung"
Die Ruta Internacional 2 ist die Lebensader Paraguays. Fast alle Im- und Exporte des südamerikanischen Binnenlandes rollen über den Asphalt der meist zweispurigen, manchmal vierspurigen
Piste. Wo es noch einen Sandstreifen gibt, wird er von Pferdefuhrwerken, Ochsenkarren und Himmelfahrtskommando-Radfahrern benutzt. Die größte Gabelung ist so etwas wie der Herzmuskel des
Landes. "Klappstuhlkreuzung" wird diese Stelle bei der Ortschaft Coronel Oviedo scherzhaft genannt, wo die Ruta Internacional 2 auf die Ruta 3, die Ruta 7 und die Ruta 8 trifft.
Ist ein Ranchverwalter mit der Kasse oder - auch sehr beliebt - zusätzlich mit der Frau des Besitzers durchgebrannt, muss der gehörnte Ehemann nur zur Klappstuhlkreuzung fahren, sich an den
Straßenrand setzen und genügend Geduld mitbringen. So spotten zumindest die, die gerade von keinem derartigen Schicksalsschlag ereilt wurden. Irgendwann muss jeder hier vorbei: der neue Mann,
die ehemalige Frau, die Kasse.
Händler in Kompaniestärke
Wer immer sich im Land bewegt, taucht irgendwann an dieser Kreuzung auf. Die Händler wissen das, verkaufen in Kompaniestärke Obst und Zeitungen, Erdnüsse und Bonbons durch die geöffneten
Autofenster. Sucht man Spuren, braucht man Informationen - hier sind sie zu haben. Irgendwer hat immer irgendetwas gesehen oder kennt jemanden, der etwas gehört oder zumindest Spaß daran hat,
mit ernstem Gesichtsausdruck irgendeine hübsche Geschichte zu erzählen. Wenn man an der Kreuzung wartet, regeln sich die Dinge. Über kurz oder manchmal über lang. "Früher war das einfacher",
sagt einer der Zeitungsverkäufer. "Da brauchtest du nur ein paar Tage zu warten. Jetzt ist alles moderner, unübersichtlicher, schneller geworden. Mehr Verkehr. Und es gibt Umgehungsstraßen,
auf die besonders Pfiffige ausweichen können ..."
"Gringo?" fragt einer der Erdnussverkäufer mit mürrischer Miene durchs Autofenster. "Alemán" ist die Antwort - Deutscher und nicht Nordamerikaner. Aha. Die Gesichtszüge entspannen sich
prompt. Zehn Meter weiter fragt ein Obstverkäufer: "Argentino?" Nein? Dann gibt es zur Belohnung erst einmal eine Apfelsine umsonst, denn Argentinier mag hier niemand besonders gern.
Alles, was der Fernfahrermagen begehrt
Ein brasilianischer Wirt war der Erste, der sich vor Jahren ein paar Schritte vom Straßenrand entfernt niedergelassen, Klapptische aufgestellt, einen Tresen gezimmert und einen großen Grill
gemauert hat. Für umgerechnet fünf Euro bietet er seit vielen Jahren vom Rinderfilet bis zum Schweinebauch, vom Würstchen bis zur Rippe so viel Fleisch vom Rost, wie der Fernfahrermagen
begehrt. Andere haben es ihm nachgemacht. Die Klappstuhlkreuzung ist inzwischen zum Gewerbegebiet herangereift.
Die Biersorten im Ausschank lassen deutsche Wurzeln erkennen - Fundamente, auf die man überall im Land stößt: "Bremen" und "Munich" heißen die paraguayischen Biere, "St. Pauli Girl" der
Import aus Übersee. "Wird München Meister?" fragt jemand am Nebentisch. "Wie hat Kaiserslautern gespielt?", will ein anderer wissen. Eine Einheimische schwätzt auf Deutsch, mit badischem
Dialekt: "Du musst nachher unbedingt Mamas Marmelade probieren." In Paraguay kommt man leichter mit Deutsch - bei den Mennoniten von Filadelfia nordwestlich von Asunción sogar mit
Plattdeutsch - durch als mit Englisch. Noch leichter fällt es nur in den beiden Amtssprachen Spanisch und Guarani.
Bei Auswanderern besonders gefragt
Paraguay ist deutschfreundlich. Das liegt weniger an Ex-Staatschef General Alfredo Stroessner, der aus Bayern stammte und erst hochbetagt ins brasilianische Exil verjagt wurde, als an
mehreren Einwanderungswellen aus Deutschland, die das Land an Rio Paraguay und Rio Paraná erlebt hat. Derzeit ist Paraguay bei Auswanderern besonders gefragt: Es gibt viel Platz, kaum
Steuern, die Preise für Boden wie für Bauten sind niedrig. Einen 220-Quadratmeter-Neubau im Hacienda-Stil bekommt man schlüsselfertig für umgerechnet etwa 50.000 Euro. Nach mitteleuropäischem
Maßstab ist das geschenkt.
Schrittweise tastete sich Paraguay auf dem Weg Richtung Demokratie voran. Rückschläge inbegriffen. In den Zeitungen tauchten vielsagende Preisvergleiche auf. Immer wieder wurde dort
analysiert, was ein Hähnchen in Zeiten der Militärdiktatur gekostet hat und was man anschließend dafür bezahlen musste. Der reine Preisvergleich fällt stets zugunsten der Diktatur aus.
In Colonia Independencia, ein paar Kilometer von der Kreuzung bei Coronel Oviedo entfernt, leben heute Generationen, die mit badischem Zungenschlag Deutsch sprechen und die Heimat ihrer
Eltern selbst nur aus alten Stichen, aus Zeitschriftenartikeln und Filmberichten kennen. Nicht einmal das zwischengeschaltete "gell" ist im Laufe der Jahrzehnte aus dem Wortschatz entwichen.
Ihre Kinder tragen deutsche Vornamen, heißen Rolf, Martin oder Monika. Bei der Familie Bachmann ist allein der Name des Hofhundes eine Reverenz an die neue Heimat. Er heißt Chico, der
Schäferhund der Nachbarn José. Die Landschaft um Colonia Independencia sieht aus wie in der Eifel. Nur weiden die Kühe zwischen Orangen- und Pampelmusenbäumchen. Statt Rhododendron gedeihen
in den Gärten neben den Wohnhäusern Rankhecken voller Passionsblumen.
Rote Fußballtrikots sind die beste Garderobe
Die paraguayischen Gauchos in Colonia Independencia haben sich extra umgezogen, als sie erfuhren, dass an diesem Morgen Europäer mit ihnen ausreiten und sie fotografieren würden. Keine
breitkrempigen Strohhüte, keine zerschlissenen Hemden, sondern ihre beste Garderobe ist daher angesagt: rote Fußballtrikots. Nur mühsam lassen sie sich nun dazu überreden, doch lieber ihre
Alltagskluft anzulegen. Am frühen Morgen hatten die beiden noch bei einem anderen deutschstämmigen Siedler geschlachtet. Jetzt helfen sie den Bachmanns für ein paar Tausend Guarani, ein paar
Euro, dabei, Rinder in den Corral am Rande des Urwalds zu treiben.
Das hämmernde Stakkato der Pferdehufe wirbelt Staub auf. Lassos surren durch die Luft. Hütehund Chico kläfft gegen das Getrampel der herannahenden Rinderherde an und weist Ausreißer zurück in
ihre Bahn. Eine Vogelfamilie piepst empört über die Ruhestörung dazwischen und entschwindet aus den Baumwipfeln mit Kurs auf den Horizont.
Jungstier-Rodeo als Mutprobe
Die Gauchos verdingen sich regelmäßig bei den Estancieros, den Großgrundbesitzern von Independencia, kaufen sich mit dem Erlös mehrerer Arbeitswochen Kühe und Saatgut. Nach Feierabend
beackern sie kleine Parzellen auf eigene Rechnung als Campesinos. Und weil gerade Fremde zu Gast sind, inszenieren die beiden ein Jungstier-Rodeo - Mutprobe und Männlichkeitsbeweis
zugleich.
Abwechselnd versuchen sie, einen Stier zu bändigen. Martin Bachmann stoppt die Zeit. Sie springen auf den Stier-Rücken, wollen ihn reiten, werden aber schnell in den weichen Sandboden
geschleudert. Sie schütten sich darüber vor Lachen aus und probieren es aufs Neue. Zwölf Sekunden lang konnte Gustavo sich oben halten. Ramón brachte es nur auf acht. Ohne die zwei Dosen "St.
Pauli Girl" vorweg hätten es noch ein paar mehr sein können.
Karge Einsamkeit
Paraguay ist rund 50.000 Quadratkilometer größer als Deutschland und zählt etwa sechs Millionen Einwohner. Die weitaus meisten davon leben im fruchtbaren Osten, nur wenige im trockenen,
heißen und kargen Chaco Westparaguays. Das Land ist komprimiert auf den ein paar Hundert Meter breiten Streifen beiderseits der befahrenen Rutas.
Gleich hinter den einfachen Häuschen beginnt die dünn besiedelte Einsamkeit. Busch und Sümpfe, dazwischen nur vereinzelt ein paar Weiden, Einsiedlerfarmen, immer mal wieder
Kolonistensiedlungen wie Independencia.
Busfahrer als Formel-1-Piloten
Wer auf den Rutas schnell vorankommen will, setzt auf den Überlandbus. Selbst Autofahrern mit Bleifuß gelingt es nicht, den Expressbussen Rio de Janeiro - Asunción auch nur in Sichtweite zu
folgen. Die rasenden Busfahrer hängen einfach jeden ab. Auf dieser Strecke sind sie die unschlagbaren Champions. Die Formel-1-Piloten beim Großen Preis von Paraguay.
Nur selten kommen sie auf offener Strecke zum Stehen - allenfalls wenn ein Passagier eine schmerzende dicke Backe hat und den völlig entfesselten Fahrer mühsam überzeugen kann, ihn doch
besser schnell bei "Dentista Benito" herausspringen zu lassen. Entgegen allen Warnungen.

